Never ending story… Wenn sich alles um den Körper dreht.

Aktualisiert: Apr 20


Sollte dich die Frage ‚Wie bekomme ich meinen Traumkörper?‘ in deinem Leben beschäftigen oder beschäftigt haben, dann bist du dabei definitiv nicht allein. Klar. Man findet ja praktisch täglich irgendwelche ‚News‘ in den Sozialen Medien oder Push-Nachrichten. Es ist also gar nicht so einfach, sich nicht permanent damit konfrontiert zu sehen…


Auch mich vereinnahmte diese Frage über fünf Jahre und viele Menschen streben nach einem körperlichen Ideal, welches ihnen dann…, ja, was denn eigentlich? Was ist dann, wenn du dein Ideal erreichst?


Ich gebe gerne zu, noch vor einigen Monaten dachte ich, dann sei man am Ziel. Meine Before&After-Bilder habt ihr wahrscheinlich längst alle einmal gesehen, ich definierte mich ja lange genug darüber ;). Wenn ich allerdings mein ‚Nachher-Bild‘ heute betrachte, empfinde ich fast ein wenig Mitleid mit meinem etwas jüngeren Selbst… Das Bild spiegelt nämlich keineswegs eine „perfekt, Ziel erreicht“-Persönlichkeit wider. Es zeigt vielmehr eine (recht kühle und verbissene) ‚Erscheinung‘. Warum? Das weiß ich heute und teile gerne nachfolgend meine ganz persönliche Erfahrung mit (m)einem Idealbild.


Hierzu bedarf es einiger Zeilen von Seneca und seinem ‚glückseligen Leben‘, einer Schriftensammlung, die mich gerade im vergangenen Jahr durchaus begleitete und mir half, mir einige grundlegende Lebensfragen zu stellen. Was mache ich denn nun mit meinem ‚perfekten‘ Körper? Und warum fühlt sich das so seltsam ‚leer‘ an? Liest man beispielsweise die Einführung des Buches, stolpert man irgendwo auf den ersten Seiten über die Weltanschauung der Stoa, welche zweifellos ein interessantes Menschenbild darlegt: ‚das Bild des idealen Menschen, wie es sich im Idealbilde des Weisen widerspiegelt‘ – Verzicht und Vernunft stehen hier an erster Stelle. Ja, Werte, denen auch ich mich während meiner Veränderung verschrieben hatte. Körpertransformation und Aufbau der Selbstständigkeit erforderten fast ausschließlich Verzicht und Vernunft. Ich wollte ein Bild von mir erschaffen, das mir gefiel. Und mein Start ins eigene Business war die Nachahmung eines bewährten Geschäftsmodells, da es mir an Selbstvertrauen in meine eigenen Fähigkeiten und meine Persönlichkeit mangelte. Ich hielt sie nicht für wertvoll genug, um auf (m)eine, authentische Art Erfolg zu haben.


In dieser Zeit ‚verzichtete‘ ich vor allem auf zwischenmenschliche Beziehungen – im Grunde sämtliche Kontakte – um mich ‚vernünftig‘ voll und ganz auf Körper und Karriere zu konzentrieren. Doch ich war eben nicht ich selbst, sondern besagte ‚Erscheinung‘, die außerhalb des Fitnessstudios gar nicht mal so stark und souverän war. Und einigen Menschen in meinem geschäftlichen wie privaten Umfeld blieb dies nicht verborgen.


Spätestens, als mir mein Nachher-Bild inklusive Story nicht die erhofften Neukunden aufgrund vorzeigbarer körperlicher Erfolge einbrachte, fing auch ich an, mir einige Fragen zu stellen: Weshalb waren denn meine Kunden auch bei mir, wenn nicht nur wegen meiner Kompetenz und dem Nachweis meiner Leistung? Warum schätzten Menschen überhaupt meine Gesellschaft? Und die Antworten, die ich erhielt – als ich mich letztlich traute zu fragen – enthüllten vor allem eine Seite meiner Persönlichkeit, die ich lange verdrängen wollte, da ich sie für ‚weich‘ und ‚schwach‘ hielt: Empathie, Humor & Interesse (an meinen Mitmenschen). Und so wurden aus ‚Belehrungen‘ Dialoge, aus Hartnäckigkeit spielerische Leichtigkeit und aus ‚meine‘ Ziele für dich ‚deine‘ Ziele für dich.


Wollte man das Idealbild des Menschen der Stoiker also ‚vervollkommnen‘, würde man eventuell um ‚Wärme und Gefühl‘ ergänzen müssen. Und ich widerspreche der Aussage „auf die inneren Werte kommt es an“ in diesem Moment in Teilen – denn meines Erachtens kommt es eben vor allem darauf an, diese auch nach außen zu tragen :), doch dazu muss man sich ihrer erst einmal bewusst sein.


Was mein ‚Nachher-Bild‘ aus heutiger Perspektive also so ‚leer erscheinen‘ lässt, ist eventuell die damals noch fehlende Auseinandersetzung mit meinen eigentlichen Werten, Wünschen und kleinen Wunderlichkeiten: ich war geprägt ‚von außen‘, bis ich meinen Blick ‚nach innen‘ richtete, (an)erkannte, was ich wirklich darstellen will und vor allem wie ich sein möchte, und dies nun (selbst)bewusst ‚nach außen‘ tragen kann. Denn was kann es anderes sein, das uns Substanz gibt, als die Erkenntnis, nicht (für jemanden) perfekt zu sein, kein perfektes Bild abgeben zu müssen, sondern perfekt man selbst zu sein?


Wenn du einfach nur Bock hast, in Form zu kommen, dein Training und deine Ernährung zu optimieren, dann helfe ich dir selbstverständlich liebend gerne dabei. Und das kann ich auch ausgesprochen gut ;) (Before&After Stories). Mir liegt allerdings darüber hinaus auch deine ganzheitliche Entfaltung am Herzen. Und die reicht folglich weit über einen prozentualen Körperfettanteil oder die Muskelmasse hinaus.


Abschließen möchte ich abermals mit Seneca, denn er beschreibt hier treffender als ich es könnte, was ich in den vergangenen Monaten lernte. Und dies bereits vor etwa 2000 Jahren. Unser Streben nach Idealbildern ist nämlich kein Produkt der Neuzeit, doch für so viele leider (noch) von so unglaublicher Bedeutung…


"…man muß immer Angst haben, einmal anders erwischt zu werden, als man sich gewöhnlich gibt, und nie wird man frei von Besorgnis, weil man in jedem Blick ein Urteil liest (…) aber auch wenn dieses beständige Aufmerken auf sich selbst gelingt, ist ein solches Leben unter einer Maske weder angenehm noch sicher. Wieviel Angenehmes hat dagegen die einfache Natürlichkeit, die durch sich selbst schön ist und die Lebensweise nicht bemäntelt." (Seneca. S.60-61)

Vgl. L. Annaeus Seneca ‚Vom glückseligen Leben und andere Schriften‘ | Übersetzung nach Ludwig Rumpel. Mit Einführung und Anmerkungen herausgegeben von Peter Jaerisch. Reclam. Ausgabe 2019.

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